Die Seele


[Frei nach Bhaktivinoda Thakur ins Deutsche übersetzt,

der in Indien vor ca. 100 Jahren als ein Richter in höherer staatlicher-Ebene diente.]



Welch Trauer für jene, deren Tage vergehen

unter dem Einfluß weltlich tödlicher Freuden.

Mit Gelächter und Leichtsinn ihr Leben verwehen

und durch Trug ihres Herzens Güte vergeuden.



Die Sklaven des Weines steigen niemals empor.

Glänzende Flaschen haben sie bezaubert.

Schmach und Verzweiflung wie nie zuvor.

Ihr Verstand ist von Süchten begaunert.



War es uns Menschen denn vorbestimmt,

nur sinnlich wie die Tiere zu sein?

Warum sind wir dem Schöpfer so neidisch gesinnt?

Egoisten glauben nur an sich allein.



Doch unser gesunder Menschenverstand

zeigt uns, wer zu Wahrheit und Güte steht.

Den Weisen war es schon immer bekannt:


Jener Mensch himmlisches Glück erlebt.



Selbst der Körper ist nicht unser Eigentum.

Geburt und Tod - unvermeidliche Ketten?

Was uns geschieht, kommt vom vergangenen Tun -

Vor Verwirrung kann nur Reinheit retten.



Das Leben gleicht einem Kinderspiel.

Das Spielzeug zerbrechlich und geliehen.

Hundert Jahre sind meist schon zuviel,

wie welke Blüten vom Winde vertrieben.



Durch Täuschung wollen wir alles rosig sehen.

Vergangene Taten lassen uns nicht rasten.

Geburt nach Geburt - wie kann man dem entgehen?

Dumme wollen andere mit der Schuld belasten.



Philosophen und Wissenschaftler, wie ernst seid ihr?

Ihr denkt und schaut mit eurer Sinneskraft.

Was unterscheidet euch denn von einem Tier?

Schneller zu töten, habt ihr bestimmt geschafft.



Voller Neugier studiert ihr die kosmische Welt,

ohne das Geheimnis des Lebens zu verstehen.

Eure Lehren sind materialistisch eingestellt.

Mit Instrumenten kann man die Seele nicht sehen.



Aber dann diese Stimme, hör wie tief und sanft,

gibt dir Rat über die Wahrheit des Seins.

Ewige Seele, Schluß mit dem nutzlosen Kampf.

Der Tod ist die Schule des Körpers allein.



Für dich hält dein HERR im Himmel bereit

ewiges Glück, frei aller weltlichen Triebe.

Dort bist du Sein in Ewigkeit,

denn der Höchste will nur reine Liebe.



Oh Himmelsliebe, welch wundervolle Macht,

gib der einsamen Seele Zuflucht beim HERRn.

Kein irdisches Wort erreicht deine Pracht.

Gefühle so lieblich und sanft hast du gern.



Ob Freud oder Leid, das sind beide nur

des Fleisches Erbschaft und Lehre zugleich.

Trotzdem bleibt der Gleichgültige stur.

Genieße, - dein Tod kommt, für Arm oder Reich.



Mein Freund, kehr den Rücken zum törichten Genuß.

Sei nicht traurig, werd frei von den Schlingen.

Lust, Drogen und Tierfleisch, damit macht jetzt Schluß,

denn reine Liebe können sie dir nicht bringen.



Und die, die alle anderen wie Brüder lieben,

Gottes Wunsch ist ihr einziger Schutz.

Selbst gepeinigt von Krankheit oder dämonischen Hieben,

sind sie gütig und ihre Herzen sind gleich ohne Schmutz.



Denk' nicht mehr an die Zeiten, die hinter dir liegen,

noch träume von Zukunft, Gewinn oder Ruhm.

Handle jetzt sofort, laß dich nicht besiegen.

Glück und Fortschritt liegen im wahrhaftigen Tun.



Verwirf die dogmatische Meinung, die spricht,

daß die Seele Produkt mechanischer Formeln sei -

daß des Lebens Ziel sei das Todesgericht -

Vater Urknall und Mutter chemischer Brei.



Die Seele ist Gott allein untertan;

ER schuf sie und kann sie verhüllen,

der ihr alles Glück der Liebe geben kann,

um so Sein Versprechen zu erfüllen.



Geh den Pfad der Wahrheit mit aller Kraft.

Keine Tat, die betrübt - Hast, Lust oder Gier.

Fleiß und Ausdauer sind in dir entfacht,

sei ein Held - voller Liebe zu Mensch und Tier.



Laß dich nie von weltlichen Wünschen bedrücken.

Halt Wache im Bewußtsein der Seelenwelt.

Allmählich werden falsche Ideen entrücken;

in der Wahrheit gefestigt, wirst du ein Held.



Oh Seele des reinen Gottgeweihten!

Du bist so fair und engelhaft gerecht.

Nach Vrindavan, zu Krishna wirst du mich leiten;

nur du kannst mich retten in diesem Gefecht.



Dort ruht meine Seele von Materie befreit

in meines Liebsten Armen - endlich daheim.

Reine Liebe und Frieden in Ewigkeit.

Dies soll meines Liedes Zauber sein.



hari bol

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